Die Hebamme fragt, wie es dir geht. Du sagst «müde». Dabei war gestern auch Wut dabei. Und am Sonntag hast du zum ersten Mal seit Tagen wieder gelacht. Zwischen Füttern, Besuch und kurzen Nächten verschwimmen solche Unterschiede schnell.
Ein Stimmungstagebuch im Wochenbett hält solche Beobachtungen fest. Ein paar Stichworte zu Gefühlen, Schlaf und der Situation genügen. Es kann dir helfen, deinen Alltag genauer zu beschreiben.
Was gehört in ein Stimmungstagebuch?
Du brauchst keinen langen Tagesbericht. Notiere möglichst einmal am Tag, was gerade wichtig war. Wenn du einen Tag auslässt, setzt du beim nächsten Eintrag wieder an. Diese fünf Punkte sind eine praktische Vorlage der MomMirror-Redaktion, kein medizinischer Fragebogen:
- Mein Gefühl: Zum Beispiel gereizt, traurig, ruhig, angespannt oder erleichtert. Mehrere Gefühle dürfen nebeneinander stehen.
- Mein Körper: Wie waren Schlaf und Energie? Hattest du Schmerzen? Unterscheide zwischen «oft vom Baby geweckt» und «wach gelegen, obwohl ich schlafen konnte».
- Die Situation: Was war kurz davor los? Besuch, eine Nachricht, ein schwieriger Nachmittag oder ein Gespräch?
- Was mir gefehlt oder geholfen hat: Essen, Ruhe, Gesellschaft, Abstand, eine geklärte Frage oder praktische Hilfe.
- Was ich brauche: Eine kleine, konkrete Bitte. Etwa «Morgen soll jemand das Mittagessen mitbringen».
Manchmal reicht ein einziger Satz: «Heute war ich nach dem Besuch gereizt; morgen möchte ich niemanden empfangen.» Es muss nicht das genau passende Gefühlswort sein. Schreib so, wie du gerade sprechen würdest.
Ein ausgefüllter Eintrag, ohne Schönschreiben
Beispiel, frei erfunden: «Dienstag, früher Abend. Dünnhäutig und traurig. Die Nacht war oft unterbrochen. Nach zwei Stunden Besuch hatte ich keine Kraft mehr für ein Gespräch. Gut war, dass meine Schwester Essen vorbeigebracht hat. Morgen möchte ich ihr sagen: Bitte nur das Essen abgeben, ich brauche einen ruhigen Nachmittag.»
Der Eintrag beschreibt einen bestimmten Tag. Vielleicht wäre derselbe Besuch eine Woche später angenehm. Aus einem anstrengenden Nachmittag wird keine Regel für alle Besuche.
Du kannst dieselbe Vorlage in einem Heft, einer Notiz auf dem Handy oder einer App nutzen. Wähle den Ort, den du ohne Suchen wiederfindest. Wenn du lieber sprichst, ist auch eine kurze Sprachnotiz eine Möglichkeit. Entscheide bewusst, wer darauf zugreifen kann.

Nach einigen Einträgen: Was fällt dir auf?
Du musst nicht jeden Abend alles neu durchlesen. Schau dir nach einigen Tagen zwei oder drei Einträge an. Welche Situation taucht öfter auf? Wann war der Tag leichter? Welche Unterstützung hat einen Unterschied gemacht?
Bleib bei Beobachtungen: «Nach langen Besuchen bin ich oft erschöpft» ist genauer als «Ich vertrage keine Menschen mehr». «An zwei Abenden konnte ich trotz Schlafgelegenheit nicht einschlafen» ist hilfreicher als «Ich schlafe immer schlecht». Aus wenigen Einträgen lässt sich keine Ursache beweisen. Schlaf, Schmerzen, Sorgen und die Betreuung des Babys können gleichzeitig eine Rolle spielen.
Suche auch nach Lücken im Alltag. Hast du regelmässig Zeit zum Essen? Gibt es jemanden, der eine Aufgabe vollständig übernimmt? Wenn unerledigte Organisation immer wieder auftaucht, lies unseren Artikel Mental Load: Eine Aufgabe wirklich abgeben.
Deine Notizen beim Termin
Du musst kein vollständiges Tagebuch vorlegen. Wähle zwei Beispiele aus und notiere, seit wann dich etwas belastet. Das National Institute of Mental Health empfiehlt, Fragen vor dem Termin zu sammeln. Beschreibe Beschwerden konkret: seit wann, wie häufig und wie stark sie auftreten. Zur NIMH-Empfehlung für Arztgespräche.
Ein Einstieg könnte lauten: «Seit ungefähr einer Woche liege ich auch dann wach, wenn mein Baby schläft. Tagsüber bin ich oft angespannt. Können wir darüber sprechen, welche Hilfe jetzt passt?» Falls du möchtest, bitte eine vertraute Person, dich zum Termin zu begleiten.
Deine Notizen sind eine Gedächtnisstütze. Du brauchst keine Datenreihe, um ernst genommen zu werden. Auch «Ich kann es noch nicht gut erklären, aber mir geht es nicht gut» ist ein ausreichender Grund für ein Gespräch.

Wenn Aufschreiben zur nächsten Pflicht wird
Muss ich jeden Tag schreiben? Nein. Eine Lücke ist kein Rückschritt. Im Wochenbett haben Essen, Erholung und Versorgung Vorrang vor einer vollständigen Liste.
Was, wenn ich mich danach schlechter fühle? Unterbrich das Schreiben, wenn du dich darin festbeisst oder immer angespannter wirst. Sprich mit einer vertrauten Person. Bei wiederkehrender Belastung bespreche mit einer Fachperson, ob diese Form der Selbstbeobachtung zu dir passt.
Brauche ich eine Zahl für meine Stimmung? Nein. Wörter und Situationen reichen. Eine Zahl kann ein persönlicher Anhaltspunkt sein, ist aber kein Testresultat und keine Benotung deines Tages.
Wann du nicht erst weiter beobachten solltest
Starke oder anhaltende Niedergeschlagenheit, Angst, Hoffnungslosigkeit oder der Verlust von Freude gehören in ein Gespräch mit einer Hebamme, Ärztin oder psychotherapeutischen Fachperson. Wenn es dir schwerfällt, dich oder dein Baby zu versorgen, suche zeitnah Hilfe. Das gilt auch ohne Tagebuch.
Leichte, kurze Stimmungstiefs nach der Geburt werden oft als Babyblues bezeichnet. Beschwerden, die stark sind oder länger als etwa zwei Wochen anhalten, sollten abgeklärt werden. Diese Zeitangabe ist keine Wartefrist: Bei starker Belastung darfst du dich sofort melden. Eine Wochenbettdepression ist behandelbar und kein persönliches Versagen. Das erklärt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit.
Bei unmittelbarer Gefahr für dich oder dein Baby, grosser Verwirrtheit oder dem Hören von Stimmen brauchst du sofort medizinische Hilfe. Wende dich an den örtlichen Notruf oder eine Notaufnahme und hole möglichst eine vertraute Person dazu. Eine App ist für solche Situationen nicht geeignet. NIMH: Warnzeichen nach der Geburt.
Wie MomMirror in deinen Alltag passt
In MomMirror kannst du Stimmung, Schlaf, Energie und Stress auf dem Handy erfassen. Im Reflexionsgespräch beschreibst du, was an diesem Tag los war. Du hältst fest, was dich beschäftigt, und kannst später nachlesen, wie der Tag war.
MomMirror herunterladen und den ersten Check-in ausprobieren. Verfügbar für iOS und Android, mit optionalen In-App-Käufen. Du kannst auch zuerst nachlesen, was die App macht.
Quellen
- NIMH: Tips for Talking With a Health Care Provider About Your Mental Health. Vorbereitung auf ein Gespräch; kein Wirksamkeitsbeleg für Stimmungstagebücher.
- BIÖG, familienplanung.de: Wochenbett-Depression. Beschwerden und Hilfswege nach der Geburt.
- NIMH: Perinatal Depression. Krankheitsbild und dringende Warnzeichen.
Stand: 9. September 2026. Die Vorlage und das Beispiel stammen von MomMirror. KI-unterstützt erstellt und in drei redaktionellen Durchgängen geprüft; keine medizinische Fachprüfung. Die Bilder sind KI-generierte Illustrationen.
Hinweis zu MomMirror
MomMirror ist eine App zur Selbstreflexion. Sie stellt keine Diagnose und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Forschung zu verhaltenstherapeutischen Methoden belegt nicht die Wirksamkeit der App bei Grübeln oder Erkrankungen.
Medizinischer Haftungsausschluss
Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich Bildungszwecken und sind nicht als Ersatz für professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung gedacht. Wende dich bei Fragen zu einem medizinischen Zustand immer an deinen Arzt oder einen anderen qualifizierten Gesundheitsdienstleister. Ignoriere niemals professionellen medizinischen Rat oder zögere nicht, ihn einzuholen, weil du etwas auf dieser Website gelesen hast.
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