Du sitzt im Café, plötzlich beginnt dein Herz zu rasen, die Luft wird knapp, und eine Welle der Angst überflutet dich. Panikattacken während der Schwangerschaft sind nicht nur beängstigend – sie werfen auch tausend Fragen auf: Schadet das meinem Baby? Bin ich eine schlechte Mutter? Doch hier ist die gute Nachricht: Du bist nicht allein, und es gibt wirksame Wege, diese Momente zu bewältigen.

Dein Fünf-Schritte-Notfallplan für akute Panikattacken
Wenn die Panik zuschlägt, braucht dein Körper klare Signale, dass keine echte Gefahr besteht. Dieser strukturierte Ansatz hilft dir, die Kontrolle zurückzugewinnen – Schritt für Schritt. Psychotherapeutische Unterstützung zeigt, dass ein strukturierter Plan dabei hilft, verschiedene Ängste zu identifizieren und das Sicherheitsbedürfnis besser zu verstehen.
Schritt 1: Erkenne und benenne
Sage dir innerlich oder laut: "Das ist eine Panikattacke. Sie ist unangenehm, aber nicht gefährlich. Sie wird vorübergehen." Diese einfache Benennung aktiviert den rationalen Teil deines Gehirns und unterbricht die Angstspirale. Du gibst deinem Erleben einen Namen – und nimmst ihm damit einen Teil seiner Macht.
Schritt 2: Finde deine Erdung
Bringe deine Aufmerksamkeit ins Hier und Jetzt. Nutze die 5-4-3-2-1-Technik:
- Benenne 5 Dinge, die du siehst (z.B. blaue Tasse, Fensterrahmen, deine Hände)
- Benenne 4 Dinge, die du fühlst (z.B. Stuhl unter dir, Füße am Boden, Baby im Bauch)
- Benenne 3 Dinge, die du hörst (z.B. Verkehr, Vogelgezwitscher, dein Atem)
- Benenne 2 Dinge, die du riechst (oder gerne riechen würdest)
- Benenne 1 Ding, das du schmeckst (oder trinke einen Schluck Wasser)
Diese Übung holt dich aus dem Kopf zurück in deinen Körper und deine Umgebung.

Schritt 3: Atme bewusst (siehe nächster Abschnitt)
Gehe zur 4-7-8-Atmung über, die weiter unten detailliert beschrieben wird. Sie ist dein mächtigstes Werkzeug gegen die körperlichen Symptome.
Schritt 4: Bewege dich sanft
Wenn möglich, bewege deinen Körper leicht: Gehe ein paar Schritte, schüttle deine Hände aus, rolle deine Schultern. Bewegung hilft, das Stresshormon Adrenalin abzubauen. Wenn du sitzen bleiben musst, presse deine Füße fest in den Boden oder drücke deine Handflächen zusammen.
Schritt 5: Sei mitfühlend mit dir
Verurteile dich nicht für die Panikattacke. Lege eine Hand auf dein Herz und eine auf deinen Bauch. Sage dir: "Ich tue mein Bestes. Mein Körper beschützt mich. Das wird vorübergehen." Selbstmitgefühl unterbricht die Scham-Spirale, die Panik oft verschlimmert.
Atemtechniken für akute Situationen
Dein Atem ist die Brücke zwischen Körper und Geist – und dein direktester Zugang zum Nervensystem. Entspannungsübungen und Atemtechniken sind wissenschaftlich bestätigt wirksam, um Stress zu reduzieren und Angstattacken vorzubeugen. Hier sind zwei bewährte Methoden, die du überall anwenden kannst.

Die 4-7-8-Atmung (dein Notfall-Anker)
Diese Technik aktiviert deinen Parasympathikus – den "Ruhe-Nerv" – und signalisiert deinem Körper, dass er entspannen kann:
- Atme durch die Nase ein und zähle innerlich bis 4
- Halte den Atem an und zähle bis 7
- Atme durch den Mund aus und zähle bis 8 (gerne mit einem hörbaren "Whoosh")
- Wiederhole dies 4-6 Mal
Das verlängerte Ausatmen ist der Schlüssel: Es sendet ein direktes Entspannungssignal an dein Nervensystem. Viele Schwangere berichten, dass bereits nach zwei Runden die Herzfrequenz spürbar sinkt.
Die Bauchatmung (für tiefe Entspannung)
Lege eine Hand auf deine Brust, die andere auf deinen Bauch (oberhalb des Babybauchs). Atme so ein, dass sich nur die Hand auf dem Bauch hebt, nicht die auf der Brust. Dies aktiviert das Zwerchfell und fördert tiefe, beruhigende Atmung. Zähle beim Einatmen bis 4, beim Ausatmen bis 6. Praktiziere dies täglich 5 Minuten – so wird es in der Krise zur vertrauten Routine.
Wann du dringend zum Arzt gehen solltest
Panikattacken sind behandelbar, aber manchmal brauchst du professionelle Unterstützung. Bei schweren oder häufigen Panikattacken ist therapeutische Hilfe unumgänglich, besonders wenn du deinen Alltag nicht mehr bewältigen kannst. Suche zeitnah ärztliche Hilfe, wenn:
- Panikattacken mehrmals pro Woche auftreten oder sich verschlimmern
- Du aus Angst vor Panik bestimmte Orte oder Situationen meidest (Vermeidungsverhalten)
- Du Gedanken hast, dir selbst zu schaden, oder das Gefühl hast, dein Baby nicht versorgen zu können
- Körperliche Symptome auftreten, die du nicht eindeutig der Panik zuordnen kannst (Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel – lass diese immer medizinisch abklären)
- Du dich zunehmend isoliert fühlst oder Schwierigkeiten hast, alltägliche Aufgaben zu erledigen
- Schlafstörungen, anhaltende Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit hinzukommen
Deine Frauenärztin, dein Hausarzt oder eine psychotherapeutische Praxis sind gute erste Anlaufstellen. In akuten Krisen kannst du auch die Telefonseelsorge (143) oder den psychiatrischen Notfalldienst kontaktieren.

Therapiemöglichkeiten während der Schwangerschaft
Die gute Nachricht: Es gibt wirksame, sichere Behandlungen für Panikattacken in der Schwangerschaft. Zunächst sollte immer die Möglichkeit einer psychotherapeutischen, insbesondere einer verhaltenstherapeutischen Behandlung geprüft werden.
Psychotherapie als erste Wahl
Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gilt als Goldstandard bei Panikstörungen. Sie hilft dir, Denkmuster zu erkennen, die Panik auslösen, und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Viele Therapeuten bieten auch Videosprechstunden an – praktisch, wenn du nicht mobil bist oder Wartezeiten überbrücken möchtest.
Weitere hilfreiche Ansätze sind Achtsamkeitsbasierte Therapie (MBCT) und Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Wichtig: Konfrontationstherapie wird während der Schwangerschaft eher nicht empfohlen, um unnötigen Stress zu vermeiden. Sprich mit deinem Therapeuten über schwangerschaftsgerechte Anpassungen.
Medikamentöse Unterstützung in Ausnahmefällen
Wenn Psychotherapie allein nicht ausreicht oder die Panikattacken sehr schwer sind, kann eine medikamentöse Behandlung erwogen werden. Besonders selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) haben sich in der Behandlung von perinatalen Ängsten als wirksam erwiesen. Es ist wichtig, dass du gemeinsam mit deinem Arzt sorgfältig abwägst, welche Medikamente für dich infrage kommen, da während der Schwangerschaft besondere Vorsicht geboten ist.
Ergänzende Unterstützung
Viele Schwangere profitieren von Hebammenbegleitung, Schwangerschaftsyoga, Geburtsvorbereitungskursen mit Entspannungselementen oder Akupunktur. Diese Angebote ersetzen keine Therapie, können aber wertvolle Ergänzungen sein und dir helfen, Vertrauen in deinen Körper aufzubauen.
Geschichten von Betroffenen: Du bist nicht allein
Der Austausch mit anderen Betroffenen kann dabei helfen, mit den Gefühlen und Ängsten umzugehen und sie zu akzeptieren. Hier teilen drei Mütter ihre Erfahrungen:

Sarah, 32, zweites Kind: "Bei meiner ersten Schwangerschaft hatte ich keine Ahnung, was mit mir los war. Die erste Panikattacke kam im Supermarkt – ich dachte, ich hätte einen Herzinfarkt. Erst meine Hebamme erklärte mir, was Panikattacken sind. Die 4-7-8-Atmung wurde mein Rettungsanker. Jetzt, in der zweiten Schwangerschaft, erkenne ich die Anzeichen früher und weiss: Es geht vorbei. Ich bin nicht mehr hilflos."
Mira, 28, erstes Kind: "Ich schämte mich so sehr. Alle um mich herum waren glücklich schwanger, und ich hatte Todesangst. Meine Therapeutin half mir zu verstehen, dass meine Ängste mit meiner eigenen Kindheit zusammenhingen. Die Therapie während der Schwangerschaft war das Beste, was ich tun konnte – nicht nur für mich, sondern auch für mein Baby. Heute kann ich sagen: Hilfe zu suchen ist keine Schwäche, sondern Stärke."
Leila, 35, drittes Kind: "Nach zwei unkomplizierten Schwangerschaften traf mich die Panik bei der dritten völlig unerwartet. Ich fand Unterstützung in einer Online-Selbsthilfegruppe für Schwangere mit Angststörungen. Zu wissen, dass andere genau dasselbe durchmachen, nahm mir die Scham. Wir tauschten Tipps aus, ermutigten uns gegenseitig – das war unbezahlbar."
Dein Weg nach vorne: Kleine Schritte, grosse Wirkung
Panikattacken in der Schwangerschaft sind kein Zeichen von Schwäche oder Versagen. Sie sind eine Reaktion deines Nervensystems auf Stress, Veränderung und vielleicht auch auf alte, unverarbeitete Ängste. Mit den richtigen Werkzeugen – einem klaren Notfallplan, wirksamen Atemtechniken und professioneller Unterstützung – kannst du lernen, diese Momente zu bewältigen.
Beginne heute mit einem kleinen Schritt: Übe die 4-7-8-Atmung für zwei Minuten. Speichere die Nummer der Telefonseelsorge in deinem Handy. Erzähle einer vertrauten Person von deinen Ängsten. Jeder Schritt zählt.
Und denke daran: Du bist eine wunderbare, starke Frau, die gerade Unglaubliches leistet. Dein Baby braucht keine perfekte Mutter – es braucht dich, mit all deinen Gefühlen, deiner Verletzlichkeit und deiner Kraft.
Quellen & Recherche
Zusammenfassung der Recherche
Schwangere, die an Angstzuständen und Panikattacken leiden, benötigen sowohl Soforthilfe bei akuten Attacken als auch langfristige Bewältigungsstrategien. Ein Fünf-Schritte-Notfallplan, Atemtechniken und stimmungshebende Übungen können akute Symptome lindern, während Psychotherapie und psychosoziale Unterstützung langfristig helfen. Bei schweren Symptomen ist eine ärztliche Abklärung wichtig, und es gibt sichere Therapiemöglichkeiten während der Schwangerschaft.
Verwendete Quellen
- Ängste während der Schwangerschaft (Panikstörung) - DGPM (Abgerufen am 2025-11-07)
- Tokophobie - AOK Sachsen-Anhalt (Abgerufen am 2025-11-07)
- Depressionen bei Schwangeren: Risiken & Hilfe - Klinik Friedenweiler (Abgerufen am 2025-11-07)
- Konfrontationstherapie (gegen Panik) in der Schwangerschaft - Rund ums Baby (Abgerufen am 2025-11-07)
- Postpartales Angst-Syndrom: Irrationale Sorgen und Panikattacken bei Müttern - BIG Direkt (Abgerufen am 2025-11-07)
- Angsterkrankungen - Embryotox (Abgerufen am 2025-11-07)
- Ängste während der Schwangerschaft (Panikstörung) (Abgerufen am 2025-11-07)
- Tokophobie (Abgerufen am 2025-11-07)
- Depressionen bei Schwangeren: Risiken & Hilfe (Abgerufen am 2025-11-07)
- Konfrontationstherapie (gegen Panik) in der ... (Abgerufen am 2025-11-07)
- Postpartales Angst-Syndrom: Irrationale Sorgen und ... (Abgerufen am 2025-11-07)
- Angsterkrankungen (Abgerufen am 2025-11-07)
- Angststörung - Schwangerschaft und erste Zeit der Elternschaft (Abgerufen am 2025-11-07)
- Tokophobie (Abgerufen am 2025-11-07)
- Depressionen und Zwänge in der Schwangerschaft (Abgerufen am 2025-11-07)
- Schwangerschaft: Hilfe,plötzlich wieder Panikattacken (Abgerufen am 2025-11-07)
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