Du liegst abends im Bett, spürst die Veränderungen deines Körpers – und fragst dich, ob Selbstbefriedigung jetzt noch okay ist. Vielleicht fühlst du dich unsicher, ob du deinem Baby damit schaden könntest. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen ist Selbstbefriedigung während der Schwangerschaft völlig sicher und kann dir sogar guttun.
Dein Körper durchläuft gerade eine intensive Reise, und deine Bedürfnisse dürfen dabei nicht zu kurz kommen. Lass uns gemeinsam klären, was erlaubt ist, wann du vorsichtig sein solltest – und warum dein Baby dabei rundum geschützt bleibt.

Warum Selbstbefriedigung in der Schwangerschaft sicher ist
Dein Baby ist in deiner Gebärmutter und der Fruchtblase bestens geschützt – wie in einem sicheren, warmen Kokon. Selbstbefriedigung und Orgasmus schaden deinem Kind nicht, ganz im Gegenteil: Dein Baby nimmt die positiven Hormone wahr, die dabei ausgeschüttet werden, und kann diesen Moment als angenehm empfinden.
Die Fruchtblase fungiert als natürliche Barriere, und der Gebärmutterhals ist durch einen Schleimpfropf verschlossen. Das bedeutet: Weder mechanische Stimulation noch Kontraktionen beim Orgasmus können deinem Baby schaden. Tatsächlich kann Selbstbefriedigung dir helfen, Stress abzubauen, besser zu schlafen und dich mit deinem veränderten Körper wohlzufühlen.
Die positiven Effekte für dich
- Stressabbau: Endorphine und Oxytocin werden freigesetzt und sorgen für Entspannung
- Besserer Schlaf: Viele Schwangere schlafen nach einem Orgasmus leichter ein
- Körperbewusstsein: Du bleibst in Kontakt mit deiner Sexualität und deinem Körper
- Linderung von Beschwerden: Kann bei Beckenbodenverspannungen oder leichten Krämpfen helfen
- Positive Hormone fürs Baby: Dein Kind profitiert von deinem Wohlbefinden

Sicherheitscheck für jedes Trimester: Was ist zu beachten?
Dein Körper verändert sich von Monat zu Monat – und damit auch, worauf du bei der Selbstbefriedigung achten solltest. Hier ist dein Trimester-Guide.
Erstes Trimester (Woche 1-12)
Was du wissen solltest: In dieser Phase bist du vielleicht müde, dir ist übel oder deine Brüste sind extrem empfindlich. Manche Frauen haben überhaupt keine Lust, andere spüren durch die erhöhte Durchblutung eine gesteigerte Erregbarkeit.
- Selbstbefriedigung ist grundsätzlich sicher
- Höre auf deinen Körper – wenn du keine Lust hast, ist das völlig normal
- Achte auf Hygiene bei Toys und Händen (Infektionsrisiko minimieren)
- Bei Blutungen oder starken Schmerzen: Pause machen und ärztlichen Rat einholen
Zweites Trimester (Woche 13-27)
Was du wissen solltest: Viele Frauen erleben jetzt eine "Blütezeit" – mehr Energie, weniger Übelkeit und durch die verstärkte Durchblutung im Beckenbereich oft intensivere Orgasmen.
- Die meisten Schwangeren fühlen sich jetzt am wohlsten
- Dein Bauch wächst – finde bequeme Positionen (auf der Seite liegend kann angenehmer sein)
- Vibratoren und Gleitgele auf Wasserbasis sind erlaubt
- Achte darauf, dass Toys sauber sind und keine scharfen Kanten haben
Drittes Trimester (Woche 28-40)
Was du wissen solltest: Dein Bauch ist jetzt groß, und du spürst vielleicht häufiger Übungswehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen). Ein Orgasmus kann diese Kontraktionen verstärken – das ist normal und ungefährlich, solange keine anderen Risikofaktoren vorliegen.
- Selbstbefriedigung ist weiterhin sicher, kann aber unbequemer werden
- Experimentiere mit Positionen (halb sitzend, auf der Seite)
- Kontraktionen nach dem Orgasmus sind normal und klingen meist schnell ab
- Wichtig: Ein Orgasmus allein löst keine Geburt aus – nur wenn dein Körper bereits geburtsbereit ist, kann er unterstützend wirken

Rote Flaggen: Wann du vorsichtig sein oder pausieren solltest
Auch wenn Selbstbefriedigung in den meisten Fällen sicher ist, gibt es Situationen, in denen du besonders achtsam sein oder ganz darauf verzichten solltest. Kontaktiere immer deine Ärztin oder Hebamme, wenn du unsicher bist.
Wann du auf das Einführen von Toys oder Fingern verzichten solltest:
- Infektion der Gebärmutter: Erhöhtes Risiko für Komplikationen
- Geöffneter Muttermund: Infektionsgefahr steigt deutlich
- Risikoschwangerschaft: Bespreche mit deinem medizinischen Team, was erlaubt ist
- Frühgeburtsgefahr: Jede Form von Stimulation sollte vorher abgeklärt werden
- Gebärmutterhalsschwäche (Zervixinsuffizienz): Mechanische Reizung kann problematisch sein
- Placenta praevia: Wenn die Plazenta den Muttermund bedeckt
- Vorzeitige Wehen: Bei wiederholten, schmerzhaften Kontraktionen
Warnzeichen, bei denen du sofort ärztliche Hilfe suchen solltest:
- Blutungen nach der Selbstbefriedigung
- Starke, anhaltende Schmerzen
- Fruchtwasserabgang (klare, wässrige Flüssigkeit)
- Kontraktionen, die nicht aufhören oder regelmäßig werden
- Ungewöhnlicher Ausfluss (übelriechend, verfärbt)
- Schwindel oder Ohnmachtsgefühl
Dein Körper gibt dir Signale – höre darauf. Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt, ist es besser, einmal zu viel als zu wenig nachzufragen.

Körperempfindungen: Was sich während der Schwangerschaft verändert
Dein Körper ist gerade ein Wunderwerk der Veränderung – und das betrifft auch deine sexuellen Empfindungen. Viele Schwangere berichten von intensiveren Orgasmen, andere spüren weniger oder haben mit Unbehagen zu kämpfen.
Warum Orgasmen intensiver sein können:
- Erhöhte Durchblutung: Dein Beckenbereich ist stärker durchblutet, was die Empfindlichkeit steigert
- Hormonelle Veränderungen: Östrogen und Progesteron beeinflussen deine Erregbarkeit
- Gesteigerte Sensibilität: Klitoris und Vulva können empfindlicher reagieren
- Kontraktionen: Nach dem Orgasmus spürst du möglicherweise deutlichere Gebärmutterkontraktionen
Mögliche Veränderungen, die völlig normal sind:
- Längere oder kürzere Zeit bis zum Orgasmus
- Veränderte Empfindlichkeit (mehr oder weniger)
- Andere Vorlieben bei der Stimulation
- Leichte Krämpfe oder Ziehen nach dem Orgasmus
- Veränderter Ausfluss (mehr Feuchtigkeit ist normal)
- Müdigkeit danach (dein Körper leistet Höchstarbeit)
Wichtig: Es gibt kein "richtig" oder "falsch". Manche Frauen haben während der gesamten Schwangerschaft große Lust, andere gar keine – beides ist vollkommen in Ordnung. Dein Körper, deine Regeln.

10-Fragen-Selbstcheck: Ist Selbstbefriedigung für mich gerade sicher?
Beantworte diese Fragen ehrlich für dich. Wenn du auch nur eine Frage mit "Ja" beantwortest, sprich mit deiner Ärztin oder Hebamme, bevor du weitermachst.
- Wurde bei mir eine Risikoschwangerschaft diagnostiziert?
- Hatte ich in dieser Schwangerschaft bereits Blutungen?
- Wurde bei mir eine Gebärmutterhalsschwäche festgestellt?
- Habe ich vorzeitige Wehen oder wurde ich deswegen behandelt?
- Liegt meine Plazenta ungünstig (Placenta praevia)?
- Habe ich aktuell eine Infektion im Genitalbereich?
- Ist mein Muttermund bereits geöffnet (wurde mir mitgeteilt)?
- Wurde mir von meinem medizinischen Team geraten, auf Sex zu verzichten?
- Spüre ich Schmerzen oder Unwohlsein bei der Selbstbefriedigung?
- Habe ich nach dem Orgasmus Blutungen oder anhaltende Kontraktionen?
Wenn alle Fragen mit "Nein" beantwortet sind und du dich wohlfühlst, spricht in der Regel nichts gegen Selbstbefriedigung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann Selbstbefriedigung eine Fehlgeburt auslösen?
Nein. Bei einer gesunden Schwangerschaft ohne Risikofaktoren kann Selbstbefriedigung keine Fehlgeburt verursachen. Dein Baby ist durch die Fruchtblase und die Gebärmutter gut geschützt.
Sind Vibratoren und Sexspielzeug erlaubt?
Ja, solange du auf Hygiene achtest und keine Schmerzen auftreten. Verwende wasserbasierte Gleitgele, besonders wenn du Kondome benutzt. Achte darauf, dass Toys keine scharfen Kanten haben und gründlich gereinigt sind.
Können Orgasmen Wehen auslösen?
Ein Orgasmus allein löst keine Geburt aus. Wenn dein Körper jedoch bereits geburtsbereit ist (am Ende der Schwangerschaft), kann ein Orgasmus unterstützend wirken. In den ersten beiden Trimestern besteht kein Risiko.
Warum habe ich nach dem Orgasmus Kontraktionen?
Das ist völlig normal. Deine Gebärmutter zieht sich beim Orgasmus zusammen – das sind meist harmlose Übungswehen (Braxton-Hicks). Sie sollten nach kurzer Zeit wieder abklingen. Werden sie stärker oder regelmäßiger, kontaktiere deine Hebamme.
Ist es normal, dass ich gar keine Lust habe?
Absolut. Viele Schwangere haben phasenweise oder durchgehend weniger Lust – das ist hormonell bedingt und völlig in Ordnung. Dein Körper leistet gerade Unglaubliches, und deine Bedürfnisse dürfen sich verändern.
Kann ich meinem Baby durch Selbstbefriedigung wehtun?
Nein. Dein Baby ist durch Gebärmutter und Fruchtwasser geschützt und spürt keine Schmerzen. Es nimmt lediglich die Hormonveränderungen wahr, die bei dir stattfinden – und profitiert von den "Glückshormonen".
Was ist, wenn ich danach Blutungen habe?
Leichte Blutungen können durch die erhöhte Durchblutung des Gebärmutterhalses entstehen (besonders nach penetrativer Stimulation). Kontaktiere jedoch immer deine Ärztin, um andere Ursachen auszuschließen.
Darf ich im dritten Trimester noch masturbieren?
Ja, solange keine Risikofaktoren vorliegen und du dich wohlfühlst. Achte auf bequeme Positionen und darauf, dass die Kontraktionen nach dem Orgasmus wieder abklingen.
Welche Positionen sind am bequemsten?
Viele Schwangere finden die Seitenlage oder eine halb sitzende Position mit Kissen als Stütze am angenehmsten. Experimentiere und finde heraus, was für dich passt – dein Bauch gibt die Richtung vor.
Muss ich mit meiner Ärztin darüber sprechen?
Nur wenn du unsicher bist oder Risikofaktoren vorliegen. Ansonsten ist Selbstbefriedigung ein normaler Teil deiner Sexualität, über den du nicht berichten musst – es sei denn, du möchtest es.
Dein Körper, deine Entscheidung
Selbstbefriedigung während der Schwangerschaft ist für die allermeisten Frauen sicher, wohltuend und völlig normal. Höre auf deinen Körper, achte auf die Warnsignale und gönne dir diese Form der Selbstfürsorge, wenn sie sich gut anfühlt.
Du darfst Lust empfinden, du darfst keine Lust haben – und du darfst dich in deinem veränderten Körper wohlfühlen. Dein Baby ist sicher, und du tust dir und ihm etwas Gutes, wenn du auf dein Wohlbefinden achtest.
Wenn du dir unsicher bist, zögere nicht, mit deiner Hebamme oder Ärztin zu sprechen. Es gibt keine peinlichen Fragen – nur wichtige.
Quellen & Recherche
Zusammenfassung der Recherche
Selbstbefriedigung ist in der Schwangerschaft in der Regel sicher und schadet dem Baby nicht, da es durch die Fruchtblase geschützt ist. Es gibt Ausnahmen bei Risikofaktoren wie Infektionen oder Frühgeburtsgefahr, bei denen Vorsicht geboten ist. Körperliche Empfindungen können intensiver sein, Orgasmus löst jedoch keine vorzeitige Geburt aus.
Verwendete Quellen
- Selbstbefriedigung in der Schwangerschaft: Geht das? (Abgerufen am 2026-01-23)
- Sex in der Schwangerschaft: Tipps einer Hebamme (Abgerufen am 2026-01-23)
- Lust, Sex und Masturbation während der Schwangerschaft (Abgerufen am 2026-01-23)
- Selbstbefriedigung in der Schwangerschaft: Geht das? (Abgerufen am 2026-01-23)
- Sex in der Schwangerschaft: Tipps einer Hebamme (Abgerufen am 2026-01-23)
- Lust, Sex und Masturbation während der Schwangerschaft (Abgerufen am 2026-01-23)
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