Du streichelst über deinen runden Bauch und beobachtest, wie dein Erstgeborenes mit seinen Bauklötzen spielt – völlig versunken in seine kleine Welt. Bald wird sich alles verändern. Die Frage, die dich nachts wach hält: Wie bereite ich mein Kind darauf vor, dass es nicht mehr allein im Mittelpunkt steht? Die gute Nachricht: Mit liebevoller Vorbereitung wird die Ankunft des Geschwisterchens zu einem gemeinsamen Abenteuer, das eure Familie noch enger zusammenschweisst.

Gemeinsam aktiv werden: Geschwister von Anfang an einbeziehen

Die Schwangerschaft ist keine Sache, die nur dir und deinem Partner gehört – sie ist eine Familienangelegenheit. Wenn du dein älteres Kind aktiv einbindest, schaffst du emotionale Brücken zur neuen Realität.

Watercolor illustration showing a pregnant mother and her preschool daughter shopping together in a cozy baby boutique, examining tiny onesies with wonder and excitement, warm afternoon light streaming through shop windows, soft pastel colors of mint green and coral pink, gentle brushstrokes creating an intimate atmosphere of shared anticipation, daughter holding up a small yellow baby outfit with pure joy on her face, shelves lined with neatly folded baby clothes in the background, the scene captures the magic of preparing together for a new family member, tender moment of connection and discovery

Praktische Einbindung im Alltag: Lass dein Kind beim Einkaufen von Babysachen mitentscheiden. «Welche Farbe soll das Lätzchen haben?» oder «Meinst du, das Kuscheltier gefällt dem Baby?» – solche Fragen geben deinem Kind das Gefühl, wichtig zu sein. Zeigt gemeinsam die Ultraschallbilder an und erklärt, was man darauf sehen kann. Wenn das Baby im Bauch strampelt, leg die kleine Hand deines Kindes auf deinen Bauch. Diese Berührung schafft eine erste Verbindung.

  • Gemeinsam Babywäsche waschen und zusammenlegen
  • Das Kinderzimmer zusammen vorbereiten und umgestalten
  • Bekannte mit Babys besuchen, damit dein Kind sieht, wie Babys wirklich sind
  • Dein Kind die Bewegungen im Bauch spüren lassen
  • Zusammen Namen für das Baby überlegen (auch wenn ihr am Ende anders entscheidet)

Wichtig dabei: Brich Geschlechterrollen auf. Ob Junge oder Mädchen – jedes Kind darf wickeln üben, Babykleider aussuchen oder beim Aufbau des Babybetts helfen. Diese Tätigkeiten sind nicht «Mädchensachen» oder «Jungssachen», sondern Familienaufgaben.

Bücher und Filme: Geschichten, die Brücken bauen

Kinder verstehen die Welt durch Geschichten. Altersgerechte Bücher und Filme helfen, das Abstrakte greifbar zu machen und Ängste abzubauen.

Watercolor scene of a father reading a sibling preparation book to his young son on a comfortable reading nook by a window, golden evening light creating long shadows, the boy pointing excitedly at illustrations of babies in the book, father with gentle smile explaining the pictures, cozy cushions in shades of navy blue and warm ochre, soft watercolor washes suggesting the peaceful atmosphere of story time, a stuffed toy sitting beside them, the intimate moment of learning through stories, loose brushwork conveying warmth and safety

Empfehlenswerte Medien zur Vorbereitung: Bücher wie «Ich bin jetzt die grosse Schwester/der grosse Bruder» oder «Ein Baby in Mamas Bauch» erklären kindgerecht, was in der Schwangerschaft passiert. Sie zeigen auch realistisch, dass Babys viel schlafen, weinen und noch nicht spielen können – das verhindert Enttäuschungen nach der Geburt.

  • Wählt Bücher, die zeigen, wie das Leben mit Baby wirklich aussieht
  • Achtet auf Geschichten, in denen auch das ältere Kind Aufmerksamkeit bekommt
  • Lest regelmässig zusammen, damit das Thema präsent bleibt
  • Sprecht über die Bilder: «Wie fühlt sich das Kind in der Geschichte wohl?»

Diese Geschichten geben deinem Kind Worte für seine Gefühle. Vielleicht sagt es plötzlich: «Wie das Kind im Buch bin ich auch manchmal aufgeregt.» Das ist der Moment, in dem echte Verarbeitung beginnt.

Rollenspiele: Die neue Rolle spielerisch entdecken

Kinder lernen durch Nachahmen. Rollenspiele sind deshalb ein wunderbares Werkzeug, um die Identifikation mit der neuen Rolle als grosses Geschwister zu fördern.

Watercolor illustration of a young girl tenderly caring for her baby doll on a play mat, mimicking diaper changing with focused concentration, her pregnant mother sitting nearby watching with an encouraging smile, bright morning light filling a nursery room, soft watercolor palette of lavender and cream, gentle details of baby care items scattered around, dollhouse and toy bottles nearby, the scene radiates playful learning and preparation, delicate brushstrokes capturing the sweetness of role-playing and growing responsibility

Ideen für Rollenspiele: Besorge eine Babypuppe, die dein Kind «versorgen» kann. Lass es wickeln üben, die Puppe füttern oder in den Schlaf wiegen. Das macht nicht nur Spass, sondern vermittelt auch, dass Babybetreuung Arbeit ist – aber schöne Arbeit, die man zusammen macht.

  • «Baby wickeln» mit der Puppe üben
  • Gemeinsam überlegen: Was braucht ein Baby alles?
  • «Grosse Schwester/grosser Bruder» spielen: Was kann ich dem Baby zeigen?
  • Situationen durchspielen: «Was machen wir, wenn das Baby weint?»

Ermutige dein Kind, mit deinem Bauch zu sprechen. «Magst du dem Baby erzählen, was wir heute gemacht haben?» Solche Momente schaffen eine Beziehung, noch bevor das Baby geboren ist. Lass dein Kind das Strampeln spüren – diese Bewegung macht das Geschwisterchen real.

Besondere Ausflüge: Erinnerungen schaffen für die letzte Zeit zu zweit

Die Zeit vor der Geburt ist kostbar. Plane bewusst besondere Momente mit deinem Erstgeborenen – sie werden zu Ankern in der turbulenten Zeit nach der Geburt.

Watercolor painting of a pregnant mother and her toddler son enjoying ice cream together at an outdoor café terrace, cherry blossoms falling gently around them, spring afternoon with dappled sunlight through trees, the boy laughing with ice cream on his nose, mother gazing at him with deep love and presence, soft pink and green watercolor hues, loose expressive brushwork suggesting movement and joy, small bistro table with two chairs, the intimate scene celebrates their special time together before the baby arrives, atmosphere of celebration and connection

Ideen für Mama-Kind- oder Papa-Kind-Zeit: Ein Ausflug in den Zoo, ein Nachmittag im Schwimmbad, ein Kinobesuch oder einfach ein Eis essen gehen – es muss nichts Grosses sein. Wichtig ist die ungeteilte Aufmerksamkeit. Sag deinem Kind: «Das ist unsere besondere Zeit, nur für uns zwei.»

  • Wählt Aktivitäten, die euer Kind liebt
  • Macht Fotos von diesen Ausflügen – sie werden zu wertvollen Erinnerungen
  • Sprecht darüber: «Auch wenn das Baby da ist, werden wir weiter Zeit zu zweit haben»
  • Plant bereits jetzt feste Rituale für nach der Geburt (z.B. Samstag-Vormittag gehört dem grossen Kind)

Diese Ausflüge sind Investitionen in das emotionale Sicherheitsgefühl deines Kindes. Sie sagen: «Du bist wichtig. Du bleibst wichtig. Daran ändert sich nichts.»

Einfache Erklärungen: Was kommt nach der Geburt?

Kinder haben oft unrealistische Vorstellungen davon, wie das Leben mit Baby sein wird. Ehrliche, altersgerechte Erklärungen helfen, Enttäuschungen zu vermeiden.

Was du erklären solltest: Babys können am Anfang noch nicht spielen. Sie schlafen viel, weinen manchmal und brauchen ganz viel Hilfe. Mama wird müde sein und das Baby oft stillen oder füttern müssen. Aber: Es gibt auch viele schöne Momente, und das grosse Geschwister ist der wichtigste Mensch für das Baby.

  • Nutze konkrete Zeitangaben: «Wenn es draussen wieder schneit» oder «Nach deinem Geburtstag»
  • Erkläre, dass Mama vielleicht ins Spital muss, aber bald zurückkommt
  • Bereite darauf vor, dass Besuch kommen wird – und wie dein Kind damit umgehen kann
  • Sprich über Gefühle: «Es ist okay, manchmal traurig oder wütend zu sein»
Watercolor educational illustration panel showing a simple timeline for children, four connected scenes depicting: 1) Mama with big belly labeled "Now", 2) Hospital building labeled "Baby is born", 3) Family at home with newborn labeled "First weeks", 4) Older sibling playing with smiling baby labeled "Later we play together", soft pastel watercolors in gentle progression, child-friendly simple drawings with clear labels in English, reassuring visual sequence showing the journey ahead, warm encouraging atmosphere, loose watercolor technique with clean white spaces between panels, designed to help young children understand the timeline of change

Sei ehrlich, aber positiv. «Ja, ich werde weniger Zeit haben. Aber wir finden neue Wege, zusammen zu sein. Vielleicht kuschelst du dich zu uns, wenn ich das Baby füttere, und ich lese dir eine Geschichte vor.»

Häufige Fragen zur Geschwistervorbereitung

Wann sollte ich mein Kind über die Schwangerschaft informieren? Am besten nach dem ersten Trimester, wenn die Schwangerschaft stabiler ist. Für kleine Kinder reicht es oft, etwa 3-4 Monate vorher Bescheid zu wissen – längere Wartezeiten sind schwer zu begreifen.

Was, wenn mein Kind eifersüchtig reagiert? Eifersucht ist normal und gesund. Benenne die Gefühle: «Du bist traurig, weil Mama gerade beim Baby ist.» Plane bewusst exklusive Zeit ein und zeige Verständnis statt Vorwürfe.

Soll ich Geschenke «vom Baby» mitbringen? Das kann helfen, die erste Begegnung positiv zu gestalten. Aber wichtiger ist, dass das ältere Kind sich gesehen fühlt – durch Worte, Umarmungen und echte Aufmerksamkeit.

Wie erkläre ich die Geburt selbst? Altersgerecht und ohne Angst zu machen: «Mama geht ins Spital, damit Ärzte helfen, das Baby sicher auf die Welt zu bringen. Du bleibst bei Papa/Oma und wir sehen uns ganz bald wieder.»

Die Vorbereitung deines Geschwisterkindes ist keine Aufgabe, die an einem Tag erledigt ist. Sie ist ein Prozess voller kleiner Momente: ein Gespräch hier, ein Rollenspiel dort, ein besonderer Ausflug dazwischen. Jeder dieser Momente ist ein Baustein für eine starke Geschwisterbeziehung. Du gibst deinem Kind damit das grösste Geschenk: die Gewissheit, geliebt zu bleiben – egal, wie sehr sich die Familie verändert. Und wenn du dann beide Kinder in den Armen hältst, wirst du wissen: All die Vorbereitung hat sich gelohnt.